Geburtsbericht

Geburtsbericht Babymädchen – Spontangeburt nach Kaiserschnitt

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Geburtsbericht Spruch

It is said that woman in labor leave their bodies,
travel to the stars,
collect the souls of their babies
and return to earth together.

– Anonymus

Gute 2,5 Jahre ist es mittlerweile her, dass unser Babymädchen geboren wurde.
Ich wollte ihren Geburtsbericht immer verbloggen; aber wie dass immer so ist mit 2 kleinen Kindern:
So much to do, so little time.

Direkt nach ihrer Geburt habe ich mich hingesetzt und detailliert alles aufgeschrieben; möglichst keine Sekunde wollte ich vergessen.
Ich habe alles fein säuberlich auf Briefpapier geschrieben und zusammen mit Fotos und den Krankenhausunterlagen ein Scrapbook daraus erstellt, so dass das Babymädchen ihre Geburt einmal „nur für sich“ hat.
Für die genaue Zeitabfolge und zur Verarbeitung habe ich mir den Geburtsbericht samt CTG Streifen der Klinik angefordert.
Das kann ich allen nur wärmstens ans Herz legen; es ist eine wundervolle Erinnerung und hilft beim ein oder anderen vielleicht auch, eventuelle Wunden zu schliessen. 

Geburtsbericht Krankenhaus CTG
CTG Streifen aus meiner Krankenhausakte

Das Babymädchen kam als VBAC (Vaginal Birth after Cesarean; zu deutsch: Vaginale Geburt nach Kaiserschnitt) zur Welt.
Ihre grosse Schwester wurde nur 21 Monate zuvor als geplante Sectio geboren.
Wer auch ihre Geburt nachlesen möchte, findet sie hier.

Geburtsbericht als Weg der Verarbeitung

Der Geburtsbericht ist sehr persönlich geschreiben und ich schreibe viel über meine Schmerzen.
Wer die Geburt noch vor sich hat, sollte deshalb hier an dieser Stelle vielleicht aufhören zu lesen. 😉
Auch wenn er sich vielleicht im ersten Moment negativ lesen mag, so habe ich die Geburt nicht als traumatisch empfunden. 

Geburtsbericht Bissspuren
Noch 4 Stunden nach der Geburt deutlich zu sehen: Meine Bissspuren auf meinem Arm. Gegenschmerz und so. 😉

Lediglich die Aussage der Hebamme im Anschluss an die Geburt haben mich lange Zeit mit mir selber hadern lassen.
Der Weg, so detailliert darüber zu schreiben und die Schmerzen zu reflektieren hat mir geholfen, die Geburt zu verarbeiten.
Ich hätte mir viele Dinge anders gewünscht, wie beispielsweise die Hebammenbetreuung, aber schlußendlich bin ich einfach nur so unfassbar stolz auf mich, es geschafft zu haben. 

Die folgenden 6769 Wörter sind denke ich genug der Worte (ich danke euch von ❤en fürs Lesen!), deswegen halte ich mich an dieser Stelle kurz:
Hier isser, nach nur 2,5 Jahren 😉 – was lange währt, wird endlich gut:
Der Geburtsbericht unseres Babymädchens ❤

Geburtsbericht 

Der Tag zuvor…

In den letzten Tagen bin ich innerlich ruhig geworden.
Ich habe mich wie eine Schnecke nach innen verzogen und die Welt draussen einfach weitermachen lassen.
Unmerklich.
Ich habe im Unterbewusstsein geahnt, dass es ganz bald soweit sein wird.
Gestern habe ich das Fotoalbum für Deine Schwester fast fertig bekommen.
Heute morgen hatten wir unseren letzten Fototermin für die Babybauchcollage.
Dein Papa hat im Vorfeld gesagt, dass er diese Woche bis zum heutigen Tage so viele Termine hätte, die er gerne noch erledigt hätte.

Beim Fotoshooting lacht unsere Fotografin und sagt, dass es bei vielen Frauen schon direkt danach losgegangen ist, weil sie genau dass noch erledigen wollten.
Ich denke nicht im Traum daran, dass es bei mir so sein könnte.
Ich spüre nichts.
Kein einziges Vorzeichen.
Ausser, dass ich zunehmende erschöpfter geworden bin.
Ich bin müde.

Geburtsbericht Bauchbild
Das letzte Bild unserer Fotografin, wenige Stunden vor Wehenbeginn

Anschließend gehen wir noch mit Deiner Oma Gewürze in einem superduper Hipster Gewürzeladen shoppen; deine Schwester bekommt auf dem Weg dorthin eine Kugel Erdbeereis und wir schlendern durch einen Klamottenladen.
Dort sehe ich mich im Spiegel; sehe, wie mein überlanges Top unten absteht und denke mir:
„Du bist hochschwanger. Du siehst reif aus.“

Wir fahren nach Hause.
Ich lege Deine Schwester zum Mittagsschlaf hin.
Anschließend kuschele ich mich zu ihr und poste noch meinen Beitrag zur Kliniktasche auf meinem Blog – das war noch eine Sache, die ich unbedingt erledigen wollte.
Ich klicke auf „Senden“.
Kurz schiesst mir noch der panische Gedanke durch den Kopf, dass ich ja gar keine Vorzeichen auf eine baldige Geburt habe.
Was, wenn ich eingeleitet werden muss?
Macht meine Kaiserschnittnarbe dass mit?
Danach lege ich das Handy aus der Hand, schließe meine Augen – und bekomme meine erste Wehe.

Die ersten Wehen

In meiner Wehenapp habe ich um 14:35 Uhr meine erste Wehe aufgezeichnet.
Sie dauerte 37 Sekunden.
Ich fand sie schon ziemlich schmerzhaft; genau so fühlten sich meine starken Regelschmerzen an.
Zu diesem Zeitpunkt war ich mir aber keinesfalls sicher, dass es sich hier um „richtige“ Wehen handelt.
Ich blieb neben Deiner Schwester liegen und liess den Schmerz über mich ergehen.
Alle 10 Minuten zeichnete ich Wehen von 30-45 sekündiger Dauer auf.
Kurze Zeit später wurde Deine Schwester wieder wach.
Ich behielt mein Handy die ganze Zeit fest umklammert, um jede Wehe aufzuzeichnen.
Sie kamen unregelmäßig alle 5-10 Minuten.
Sie taten weh.
So weh, wie meine stärksten Regelschmerzen.
Ich kategorisierte sie als „Mittel“ – ich wusste ja nicht, was mich schmerztechnisch noch erwarten würde.

Als ich Deine Schwester auf dem Wickeltisch fertig machte, erwischte mich eine Wehe, die mir die Tränen in die Augen trieb und mich zusammensinken liess.
Deine Schwester hatte Angst.
Sie schaute mich mit weit aufgerissenen Augen an und nahm mich fest in den Arm.
Ihren Blick werde ich wohl nie vergessen.
Das war auch gleichzeitig der Moment, in dem ich wusste, dass ich sie loslassen werden müsse.
Unsere Idee, sie „erstmal“ mit ins Krankenhaus zu nehmen, würde nicht funktionieren.
Das kann ich meinem Kind niemals antun.
Ich weinte und drückte sie fest an mich.

Senkwehen, Vorwehen?

Zu diesem Zeitpunt jedoch war ich mir selber noch nicht sicher, WAS das eigentlich genau war.
Vorwehen? Senkwehen?
Senkte sie sich langsam vollständig ins Becken?
Ich googelte.
Mir hallten die Worte von Freundinnen & Bekannten ins Ohr.
„Wenn das richtige Wehen sind, merkst Du es. Du weisst einfach, wann es an der Zeit ist, ins Krankenhaus zu fahren.“
-Mmmh… Es tat verdammt weh.
Aber SO weh, dass wir ins Krankenhaus fahren müssen?
Waren die Wehen dafür nicht viel zu kurz?
Sie dauerten im Schnitt 30 Sekunden.
Konnten die überhaupt etwas am Muttermund bewirken?
Ich googelte: „Wie lange müssen Wehen sein?
Google und  die User aus verschiedenen Internetforen befinden 1 Minute lange Wehen für „richtige“ Wehen.
Also gut, noch keine richtigen Wehen.
Die hören bestimmt wieder auf und dass ist nur die Vorbereitung auf das, was in ein paar Tagen kommen wird.
Die Geburt.

Exklusivzeit

Dann kam irgendwann Deine Oma.
Ich wollte ihr nichts von den Kontraktionen erzählen, weil ich Angst davor hatte, dass sie mich verrückt machen und sofort ins Krankenhaus schicken würde.
Ich versuchte, die Schmerzen nicht allzu offensichtlich zu zeigen.
Das ging zu diesem Zeitpunkt auch noch recht gut, obwohl ich es schon ganz schön schmerzhaft fand…

Es fällt mir schwer, die richtigen Worte für meinen Zustand zu finden.
Ich fühlte mich kraftlos, müde.
Ich fühlte mich wie am Ende einer langen Reise, ich wollte mich zur Ruhe setzen, mich einigeln.
Die Zeit stillstehen lassen, die Welt da draussen völlig ausblenden.
Ich wunsch noch 3 Maschinen Wäsche – bis nichts mehr übrig war.
Ich pflückte unseren Johannisbeerenstrauch im Garten leer und erntete die ersten reifen Brombeeren.
Am späten Nachmittag habe ich mich mit Deiner Schwester auf die Couch verzogen; wir haben gekuschelt, uns zugedeckt und Bücher gelesen.
Ich glaube mein Unterbewusstsein wusste es einfach.
Ich habe Abschied von der bisher exklusiven Mama-Tochter Beziehung genommen.
Wir waren an diesem Nachmittag ein letztes Mal „Mama und Einzelkind“.

Ich wollte so gerne, dass Dein Papa nach Hause kommt und ich es ihm erzählen konnte.
Ich wollte in den Arm genommen werden, ich wollte weinen.
Kurz überlegte ich, ihm eine Whatsapp zu schreiben und ihm zu sagen, dass er vielleicht morgen nicht mehr zur Arbeit geht, liess es aber sein.
Ich glaubte immer noch, dass es keine „richtigen“ Wehen waren.
Außerdem wollte ich keinen falschen Alarm schlagen & Deinen Papa unnötig stressen.

Familienzeit im Garten

Es war warm draussen und wir setzten uns noch eine Welte nach draußen.
Dein Onkel kam nach der Arbeit noch kurz vorbei und spielte mit Deiner Schwester .
Deine Oma riss noch Witze darüber, dass sie mich morgen beim Kontrolltermin im Krankenhaus sicher gleich dabehalten würden.
Dann verabschiedeten sich beide aber schnell nach Hause.

Ich war froh, Deinem Papa nun endlich berichten zu können.
Ich erzählte ihm von den Kontraktionen.
Auf seine Frage, ob dass denn Wehen sind, wusste ich keine rechte Antwort.
Als ich ihm von den Abständen berichtete, merkte ich ihm seine Überraschung an.
„Müssen wir im Auge behalten.“
Ohja.
Das müssen wir.

Der Wannentest

Wir aßen zu Abend, danach brachte Dein Papa Deine Schwester ins Bett.
Ich gab ihr einen dicken Kuss, der dieses Mal besonders lange dauerte, drückte sie und schaute den beiden nach…
Dann beschloss ich, den Wehentest zu machen und mich in die Badewanne zu legen.
Ich liess mir warmes Wasser ein, löste einen Badestick auf und legte mich mit einer Tasse Himbeerblättertee, meinem Handy samt Wehenapp und meinem Buch „Meine Wunschgeburt“ hinein.

Während des Badens (ich lag bestimmt eine Stunde in der Wanne) wurden die Kontraktionen spürbar weniger und ich fühlte mich bestätigt.
Waren doch nur Vorwehen.
Alles gut.
Gleich würde ich mich ins Bett legen und schlafen.
Morgen früh beim Termin in der Klinik würde ich die Ärztin darum bitten, mal nach dem Muttermund zu schauen, vielleicht haben diese „Vorwehen“ ja etwas bewirkt.
Ich stieg aus der Wanne, ölte mich mit meinem Lieblingsöl ein und setzte mich ins Wohnzimmer.
Ich überlegte noch kurz, das Fotoalbum Deiner Schwester weiterzukleben.

Irgendwie doch Geburt

Die Kontraktionen kamen und gingen.
Manche davon so schmerzhaft, dass ich laut aufstöhnen musste.
Dein Papa kam wieder.
Deine Schwester schlief mittlerweile.
Ich sagte ihm, dass die Wehen nach dem Bad nicht schlimmer geworden waren und sogar eher längere Abstände bekommen haben.
Nach dem Blick in meine App musste ich allerdings feststellen, dass es lediglich einmal ein längerer Abstand von 18 Minuten war; ansonsten waren es nach wie vor 10 Minuten.
Oooops.

Wir saßen auf dem Sofa.
Manche Wehen verbrachte ich im Vierfüsslerstand, manche weinte ich einfach durch.
Sie steigerten sich im Verlauf des weiteren Abends und irgendwann stellte ich beim Blick in die App fest, dass sie mittlerweile deutlich öfter kamen (im 5-10 Minuten Abstand) und wesentlich länger dauerten (30-60 Sekunden).
Als ich dann mehrfach auf die Toilette musste, dämmerte es mir langsam:
DAS hier ist tatsächlich der Beginn der Geburt.
Ratlos saßen wir im Wohnzimmer:
Was macht man denn jetzt?
Ins Krankenhaus fahren?
Ich fühlte mich noch so gar nicht nach Krankenhaus.
Aber würde ich mich das jemals fühlen?
Waren die Wehen schon so stark?
… Aber immerhin hatte ich sie bereits seit  9 Stunden.

Anruf im Kreißsaal

Dein Papa wollte im Kreißsaal anrufen, ich winkte ab.
Bereits bei der nächsten Wehe revidierte ich meine Meinung und bat ihn unter Tränen, doch anzurufen.
Er beschrieb der Hebamme den Verlauf und sie sagte:
„Das hört sich für mich noch ganz nach Anfang an. Warten Sie noch ein wenig, aber wenn Sie es nicht mehr aushalten, kommen Sie.“
Mir dämmerte, dass das eine verdammt lange Nacht werden würde.
Ich fühlte mich mit der Entscheidung überfordert.
Ich wollte in mein Bett.
Mir die Decke über den Kopf ziehen und so tun, als wäre nichts.
Ich wollte, dass es aufhört.
Ich wollte einschlafen und am nächsten Morgen aufwachen und sagen: „Huch, da hatte ich gestern aber heftige Vorwehen. Aber die hörten dann Nachts auf. Es wird wohl bald losgehen.“
Ich wollte mich darauf einstellen können.
Dass ich das bereits seit 14:35:23 Uhr tat, bemerkte ich zu dem Zeitpunkt nicht. 

Dein Papa holte meine Kliniktasche und wollte „nur zur Sicherheit“ meine noch fehlenden Sachen einpacken.
Mein Bikinioberteil hing natürlich noch tropfnass auf der Leine – was mit einem „Musstest Du ausgerechnent HEUTE waschen?“ quittiert wurde
Schlechter Zeitpunkt für solche Fragen, ganz schlechter Zeitpunkt.
Sollte ich etwa mit einem dreckigen Bikinioberteil losgehen?

Wehen veratmen auf der Couch

Dein Papa schlug vor, auf der Couch zu übernachten.
Ich wollte nicht.
Stattdessen wollte ich mich zu Deiner Schwester ins Bett kuscheln.
Ich sehnte mich nach ihrer Nähe, wollte sie drücken und küssen.
Ich wollte nicht ohne sie schlafen; wollte nicht ins Krankenhaus fahren.
Aus Angst davor, dass ich wusste, wenn ich wiederkomme, ist nichts mehr, wie es einmal war.

Ich bekam mittlerweile immer heftigere Schmerzen, die ich nur noch fluchend und im Vierfüßlerstand hinter mich brachte.
Die Abstände reduzierten sich zwischenzeitlich auf 5 bis unter 5 Minuten und sie dauerten teilweise über 1 Minute.
Dein Papa setzte sich durch.
Wir blieben auf der Couch
Wimmernd stimmte ich zu.
Er holte unser Bettzeug.
Wir saßen einfach nur auf der Couch mit unserem Bettzeug und ich versuchte, die Schmerzen zu ertragen.
Um 00:31:52 Uhr drückte ich das erste Mal „starke Schmerzen“ in meiner Wehenapp.
Stufe 4 von 5.

Sie wurden länger – teilweise bis zu 2 Minuten.
Ich fand schon keine erträgliche Position mehr, um die Schmerzen auszuhalten.
Ich schleppte mich nochmal auf die Toilette.
Den Rückweg schaffte ich nicht mehr und blieb auf dem Badezimmerboden liegen und wimmerte.
Wir saßen vor dem Telefon.
Sollten wir Mama anrufen?
Ich wusste, dass dieser Anruf es „wahr“ machen wüde.
Bis jetzt war es noch gar nicht real.
Unwirklich.
Vorwehen.
Die nächsten Wehen rollten über mich hinein – immer länger, immer kürzere Abstände.

Anruf bei Oma

Ich kam an den Punkt, an dem ich dachte, ich schaffe es vor lauter Schmerzen nicht mehr ins Krankenhaus.
Instinktiv wusste ich, dass es spätestens jetzt an der Zeit war, zu fahren.
Denn ich fühlte mich definitiv nicht mehr wohl zu Hause; ich bekam Angst.
Gegen kurz vor halb 2 griffen wir zum Hörer und riefen Mama an.
Ich schleppte mich ins Bad, um mich nochmal umzuziehen.
Ich wollte nicht in meinem Gammel Outfit ins Krankenhaus, sondern wollte noch einmal meine schönen Umstandssachen anziehen.
Dein Papa verstand es nicht so ganz, half mir aber in die Klamotten.
Ich schaffte es kaum hinein.
Ich weinte.
Mir wurde auf einmal kotzübel und ich hatte das Gefühl, auf der Stelle brechen zu müssen.
Ich bat Deinen Papa mehrmals, bittebitte eine Tüte ins Auto zu legen.

Dann war auch schon Deine Oma da.
Sie erzählte, dass sie beinahe einen Hasen überfahren hätte. (Verdammt, warum habe ich DAS behalten???)
Zwischenzeitlich hing ich am Couchtisch und weinte.
„Ich sterbe. Ich schaffe das nicht.“
Immer und immer wieder.
Deine Oma massierte mir den Rücken.
Dein Papa brachte die Taschen ins Auto und wollte losfahren.
Ich konnte nicht.
Dieser eine Schritt durch die Wohnungstür… Er würde so viel verändern.
Ich wollte so gerne noch einmal Deine Schwester in den Arm nehmen, sie küssen und ihr sagen, dass alles gut wird und ich sie unendlich liebe.
Aber ich wusste in dem Moment, dass es besser für sie war, wenn ich einfach gehen würde.
Ich durfte sie nicht wecken.
Es zerriss mir das Herz.

Dein Papa stand an der Tür.
Ich musste nochmal umdrehen und zurück ins Bad um meinen Ehering und den Verlobungsring anzulegen, die ich, bevor ich in die Wanne gestiegen bin, abgelegt hatte.
Am Liebsten hätte ich auch noch meinen Fotosticker mit der „40 weeks“ mitgenommen, aber ich wusste, dass es zu diesem Foto niemals kommen würde.

40 weeks Geburtsbericht

Die Schmerzen erfassten mich zwischendurch immer und immer wieder.
Schon nicht mehr Herrin meiner selbst verliessen wir schlußendlich unsere Wohnung.

Die Fahrt ins Krankenhaus

Dein Papa hatte ein Handtuch auf dem Rücksitz ausgebreitet und ich legte mich in Embryonalhaltung auf die Rücksitzbank gegen meine Tasche und den Koffer.
Ich weinte.
Irgendwie versuchte ich, gegen die Übelkeit und den Schmerz anzuatmen.
Ich presste meine Augen zusammen, liess den Tränen freien Lauf und betete, dass wir schnell ankommen würden.
Einzig meine Wehenapp benutzte ich noch mit einem Auge.
Die Wehen kamen mittlerweile all 1,5-3 Minuten und dauerten 1,5 Minuten.
Ich nahm nichts mehr wahr…
Zwischendurch sah ich ein paar Lichter aufblitzen.
Auf einmal merkte ich die Speedbumps der Krankenhausauffahrt.
Sie taten höllisch weh.
Dein Papa steuerte den Storchenparkplatz an.
Wo die 25 Minuten Fahrt hinwaren, wusste ich nicht.
Es kam mir vor, als hätte ich Aussetzer gehabt.

Wehenstärke „sehr stark“

Am frühen Morgen des 16.07. um 02:05:58 Uhr zeichnete ich meine letzte Wehe auf dem Handy auf.
Sie dauerte 1:32 Minuten.
Ihren Schmerz habe ich mit „sehr stark“ markiert.
Stufe 5 von 5.

Ich stieg aus dem Auto in die laue Sommernacht und hatte ein komisches, unwirkliches Gefühl.
Das Krankenhausschild leuchtete einsam in der Dunkelheit.
Alles wirkte so ruhig und friedlich.
Meine Schmerzen wirkten in dieser Kulisse fast surreal.

Die Eingangstür war abgeschlossen.
Wir drückten auf die Klingel.
Ich sagte (oder dachte? Ich weiss es nicht mehr…):
„Kein Problem. Lasst euch ruhig Zeit!“

Uns wurde geöffnet, der Pförtner guckte und Dein Papa sagte: „Wir gehen in den Kreißsaal….“
Der Pförtner nickte.
Ich musste auf dem Weg zum Aufzug vor Schmerzen stehenbleiben.
Gott sei Dank wusste ich aus dem FF in welche Etage wir fahren mussten und presste nur ein „In die 4.“ hervor, als Dein Papa auf die Tafel zusteuerte.

Aufnahme im Kreißsaal

Oben stiegen wir aus dem Aufzug und bogen Richtung Kreißsaal ab.
Das leere Wartezimmer, das große Bild von einer Frau mit Baby an der Wand; all dass hatte ich schon 1000 Mal gesehen.
Auf einmal wirkte alles so unnahbar.
Die dunkle Nacht, das im Gegensatz dazu grelle Licht, das Surren der Gerätschaften, weinenende Babys von der Wöchnerinnenstation.
Wir drückten die Klingel zum Kreißsaal.
Eine ältere Hebamme öffnete.
Ich stellte mich vor:
„Guten Morgen. Ich sterbe.“
Dein Papa versuchte noch mit einem: „Ich glaube, wir haben miteinander telefoniert?“ einen netteren Gesprächsauftakt zu finden.
Die Hebamme antwortete im ruhigen, gelassenen, fast mütterlichen Ton:
„Na, Sie sind doch nicht hier um zu sterben; Sie sind hier um ein Kind zu bekommen!“

Geburtsbericht Kreißsaal

Meine Gedanken schrien: „Warum steht sie da so ruhig? Ich brauche Hilfe, sieht die dass denn nicht???“
Ich schob sie beinahe rückwärts durch die Tür, als sie erst keinerlei Anzeichen machte, sich zu regen.
Wir betraten den Kreißsaalbereich und wurden in den kleineren Kreißsaal, -Nummer 4- der bei der Geburt Deiner Schwester noch Wartezimmer mit Kaffeemaschine war und in dem wir 11 Tage zuvor bei wüstengleichen Temperaturen das CTG geschrieben haben, geleitet.
Die Hebamme fragte mich, auf welcher Seite Du liegst.
????
What?
„Oder wissen Sie nicht, auf welcher Seite das Baby liegt?“
Ich versuchte ihr zu erklären, dass Dein Popo links oben und Deine Füsse rechts oben liegen.
„Ok, dann liegt ihr Baby auf der linken Seite. Dann müssen Sie sich zum CTG auch auf die linke Seite drehen!“

CTG schreiben

Alles klar. Das wurde bisher zwar noch nie so gemacht, aber gerne.
Während die Hebamme meine Akte raussuchte, wurde ich ans CTG gestöpselt.
Ich bat Deinen Papa, einen Spuckbeutel aus dem Halter zu holen – mir war immer noch so schlecht vor Schmerzen, dass ich dachte, mich jede Sekunde übergeben zu müssen. (Komischerweise habe ich es während der gesamten Geburt NICHT getan. Irgendwann war ich wohl über den Punkt hinaus…)
Dann kam die Hebamme wieder und maß Blutdruck und meine Temperatur.
Ich zitterte mittlerweile vor Schmerzen am ganzen Körper.
„Ist Ihnen kalt?“ fragte sie mit einer unfassbaren Gelassenheit.
– Genau. Mir ist nur ein wenig kühl. ANSONSTEN GEHT ES MIR BLENDEND!
Ich sage es ja, sie hat die Situation völlig verkannt.
„Nein,“ sage ich. „Nicht wirklich!“

Geburtsbericht Krankenhaus
Auszug aus dem Geburtsbericht des Krankenhauses

Zwischendurch ging sie immer wieder hinaus und ich war mit Deinem Papa alleine.
Ich hellen Kreißsaal konnte man beinahe vergessen, dass es mitten in der Nacht war.
Die Wehen taten unglaublich weh.
Ich war überrascht, dass die Ausschläge auf dem CTG nur kleine Hügel waren und die Ausschlagszahl nicht bis 1000000 hochging. (Ich glaube, wir waren irgendwo in den 30ern?)
Ich erinnerte mich daran, dass mir eine Bekannte erzählt hat, dass sich ihre Wehen immer am CTG „angekündigt“ haben und sie dann immer Angst bekam.
Bei mir war es anders.
Ich spürte die Wehen schon anrollen, bevor das Gerät etwas anzeigte.
Dafür blickte ich immer verkrampft auf das Display, ob die „Welle“ wohl gleich vorbei ist.

Die erste Untersuchung

Die Hebamme kam wieder rein um nach uns zu schauen.
„Ich würde Sie jetzt gerne untersuchen,“ sagte sie.
Ich war erleichtert und zugleich hatte ich Angst.
Meinen Schmerzen nach zu urteilen, müsste man den Kopf schon sehen können – aber was, wenn der Befund noch komplett unreif ist?

Sie wartete noch eine Wehe ab, in der ich mich vor Schmerzen krümmte.
Sie tastete.
Irgendwo weit weg nahm ich die Schmerzen vom Abtasten wahr….
Aber mir war alles egal.
„Da haben Sie ja schon gut vorgearbeitet!“ sagte sie erfreut.
„Schauen Sie mal, so weit sind Sie schon!“
Sie zeigte mit ihren Fingern etwa 4-5 cm.
Ich wollte gerne eine Zentimeterzahl hören, um einen Anhaltspunkt zu haben, aber nachdem sie so positiv redete, nahm ich an, dass es nicht erst 2cm waren.

Irgendwo, weit weg, fiel ein Stein von meinem Herzen.
„Da haben die Schmerzen sich ja gelohnt!“
Sie sagte irgendwas in Richtung: „Und zum Ende hin wird es ja einfacher.“
Ich fragte hoffnungsvoll:
„Werden die Schmerzen dann weniger?“
„Nein,“ sagte sie trocken. „Nein.“
Ich weinte und fluchte.
Sie versuchte, mich zu erheitern.
„Heute wird Geburtstag gefeiert!“ sagte sie.
– Wird er das wirklich?
Werde ich wirklich heute mein Kind bekommen?
Ich schaute auf die Digitaluhr mit der Datumsanzeige, die mir gegenüber an der Wand hing.
16.07.2015.
Wird ihr Geburtstag der 16.07.2015 sein?
Ich wollte es immer noch nicht glauben.
Das erste Kennenlernen mit unserer Tochter fühlte sich unendlich weit weg an.

Das Geburtsoutfit

Sie bat Deinen Papa, mich unten an der Anmeldung zur Aufnahme anzumelden.
Als sie draußen war, flehte ich ihn an, mich nicht alleine zu lassen.
Ich hatte Angst.
Diese Schmerzen wollte ich auf gar keinen Fall alleine durchstehen müssen.
Ich lag weiter auf dem Kreißbett und versank innerlich bei jeder weiteren Wehe in mir selber.
Wir warteten noch auf die Ärztin, die gleich nochmal einen Schall machen wollte.

Die Hebamme kam zurück.
„Wollen Sie sich noch etwas bequemes anziehen?“
(Das sie sagte „für die Geburt“ habe ich in dem Moment gar nicht realisiert. Ich konnte nicht daran denken, was in 1,2,3,5… Stunden sein würde. Die Geburt war unendlich weit weg. Zu diesem Zeitpunkt war mein einziger Gedanke einfach nur, dass diese Schmerzen aufhören müssen.)
Ich wies Deinen Papa an, mein sorgsam geplantes Geburts-Outfit aus meiner Tasche zu holen.
(Und alle hatten recht. Wirklich alle. Es war mir SCHEISSEGAL, was es war. Ich hätte auch einen Kartoffelsack getragen. Hauptsache raus aus der Bluse und der Leggings. Wer ist eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, sich für den Kreißsaal hübsch zu machen???)

Ich weiß nicht mehr, wie ich es unter den Wehen geschafft habe, meine Klamotten zu wechseln, aber da meine Bluse auch heute noch alle Knöpfe hat, habe ich sie mir offensichtlich nicht vom Leib gerissen.
Ab da trug ich dann auf jeden Fall eine schwarze Relaxhose und darüber ein lachsfarbenes Long-Still-Shirt-Kleid.

Ich flehte die Hebamme an, mir etwas gegen die Schmerzen zu geben.
Flehen ist noch untertrieben.
Hätte ich gekonnt, hätte ich mich an ihr Hosenbein gekrallt und geweint.
Sie sagte: „Natürlich. Machen wir gleich.“

Der letzte Ultraschall

Die Ärztin kam und stellte sich vor.
Ich habe nicht mal mehr ein Gesicht zu ihr, so sehr hatten mich die Schmerzen zu diesem Zeitpunkt schon in ihrer Gewalt.
Sie nahm mir Blut ab und bat mich anschließend mitzukommen, um nochmal einen Ultraschall zu machen.
Ich wusste nicht so recht, wie ich den weiten Weg zum Untersuchungszimmer schaffen sollte.  (Es waren in etwa 30 Meter..)

Dein Papa wurde jetzt mit Nachdruck zur Anmeldung geschickt, weil mein Blut sonst nicht analysiert werden konnte. (… Ja nee, is klar..)
Ich weinte.
Ich wollte nicht, dass er ging.
Er begleitete mich noch ins Untersuchungszimmer.
Die Hebamme sagte, dass wir anschließend in unseren „richtigen“ Kreißsaal umziehen würden; Dein Papa könne meine Tasche schon mitnehmen und auf dem Weg dort abstellen.
Er holte mich kurz vor dem Untersuchungszimmer ein (Ich lief einfach mechanisch weiter), gerade als ich weinend stehenbleiben und eine Wehe veratmen musste.
Er übergab mich der Ärztin und verschwand dann, um mich anzumelden und das Auto vom Storchenparkplatz ins Parkhaus umzuparken.

Während des Schalles war ich schon wieder in Trance.
Ich hätte gerne ein letztes Mal auf das Leben in mir geschaut, meine Gebärmutter gross und gefüllt und ihrer Bestimmung nachkommend, aber ich konnte mich vor Schmerzen nicht bewegen und habe stattdessen nach einem kurzen Blick meine Augen zugekniffen.

Wehen während des Ultraschalls und Legen der Braunüle

Ich hatte Angst, dass noch etwas doofes passiert, dass Du ein Sternengucker wirst oder Dich im Becken verkeilt hast, oder, oder, oder…
Irgendetwas, was mir noch einen Stock zwischen die Beine wirft.
Die Ärztin vermaß nochmal alles ganz genau.
Alleine die Vorstellung, dass wir die Schattierungen auf dem Monitor schon sehr bald persönlich kennenlernen würden, überstieg meine Vorstellungskraft.
Die erlösenden Worte: „… Und das Köpfchen steckt schon tief im Becken!“ liessen mich beruhigt weiter den Schmerzen hingeben.

Sie beendete den Schall dann auch ziemlich zügig mit den Worten: „Das muss reichen!“, weil sie den Rest wegen meiner Wehen nicht vernünftig vermessen konnte.
Dann legte sie mir die Braunüle.
Ich guckte sogar kurz hin (was ich ja sonst tunlichst vermeide, um nicht zu kollabieren) – und es liess mich völlig kalt.
Es war mir egal.
Ich weinte nach Schmerzmitteln.
„Gar kein Problem, bekommen Sie gleich!“
Ich nickte brav, während mir die Tränen über das Gesicht rollten.
Alles in mir schrie: „ICH.WILL.JEEEEETZT!!!!“

Braunüle Geburtsbericht

Umzug in unseren Kreißsaal

Wie und mit wem ich in den Kreißsaal gekommen bin, weiss ich partout nicht mehr.
Zu diesem Zeitpunkt hatten schon höhere Mächte Besitz von mir ergriffen.
Es tauchen nur einzelne Bilder vor meinem Auge auf.
Wie ich vor der Kreißsaaltür stehe und rechts von mir die Versorgungseinheit für die Babies sehe.
Ich denke noch: „Hier wurde Tiffy damals untersucht, als ich noch im OP lag“.

Wir bekamen den Kreißsaal mit dem Gebärhocker.
War ich alleine?
Oder war Dein Papa schon da?
War die Hebamme da?
Ich weiß es nicht.
Der Raum um mich herum schien zu verschwinden und es gab nur noch mich.
Atmend.
Weinend.
Schreiend.

Schmerzmittel

Ich flehte noch einmal mit Nachdruck nach Schmerzmitteln.
Sofort.
Ich fragte, ob eine PDA noch möglich wäre und war enttäuscht, als sie dies bejahte.
Das hieß dann ja, dass die Geburt noch lange dauern würde.
Ich fragte nach Alternativen.
Sie redete vom Schmerztropf.
Ich wusste es nicht.
Ich hatte Angst, dass die Geburt zum Stillstand kommen würde, wenn ich mich für die PDA entscheiden würde.
Aber was, wenn es zum Notkaiserschnitt kommen würde?
Dann hätte ich wenigstens schon die PDA…

Ich war zu schwach, um weiterzudenken.
Wollte einfach nur, dass es aufhört.
Ich war zu schwach zu allem.
Ich fragte sie, was sie empfehlen würde.
(Hatte ich doch im Vorfeld immer wieder gesagt, dass ich es eigentlich ohne PDA schaffen will, mich aber je nach Geburtsverlauf und Hebammen-/Ärztlichen Rat entscheiden würde.)
Aus weiter Ferne hörte ich sie sagen: „Ich würde sagen, wir probieren mal den Schmerztropf, aus oder was meinen Sie?“
Ich stimmte zu.
Mit dem Wissen, dass dies jetzt die letzte Möglichkeit für die Schmerzfreiheit einer PDA und somit eine wegeweisende Entscheidung war.

Der Wehentropf

Sie ging raus, um den Tropf zu holen.
Dein Papa fragte mich, ob er mir die Whatsapp von Oma, die sie mir geschrieben hat, vorlesen soll.
Ich schüttele nur den Kopf, reden kann ich nicht mehr.
Auch nicht mehr denken.
Ich will auch nicht, dass geredet wird.
Ich verliess mich auf Mama.
Sie bekommt dass schon hin und es wird alles gut sein.

Geburtsbericht Tropf

Die Hebamme kam zurück und hängte mich an den Tropf.
Ich weinte immer noch.
Sie sagte: „Manche Frauen sagen, es wird im Stehen einfacher; wollen Sie sich mal hinstellen?“
Ich sagte, was ich in dieser Nacht viele, viele Male sagte: „Ist mir egal. Ich will nur, dass es aufhört!“
Also stellte ich mich hin.
Ich sollte mit dem Becken kreisen.
Ich schaffte eine halbe Umdrehung, dann wurden die Schmerzen unerträglich.
Die Hebamme gab mir ein Stillkissen, auf dass ich mich lehnen konnte.
Ich krallte mich daran fest.
Dann legte sie mir zwischenzeitlich das CTG wieder an, was ich nur am Rande mitbekommen habe.
Ich war zu sehr damit beschäftigt, gegen die Schmerzen anzukämpfen.
Ich kam mir vor wie ein Tier, an dem man rumfummelt.
Die Hebamme ging zwischendurch immer wieder raus.

Muttermund komplett eröffnet

Irgendwann kam sie wieder, um mich zu untersuchen.
Ich nahm die darauffolgende Untersuchung nicht mal mehr bewusst wahr.
Nur 1:40 Stunde nach dem Befund: „Muttermund 4-5cm geöffnet“ ist dieser komplett eröffnet.
Ich nehme die Info im Unterbewusstsein auf und bete, dass es ab jetzt schnell geht, denn ich kann die Schmerzen nicht mehr lange aushalten.
Wie in Trance stelle ich mich wieder hin.
Die Hebamme schüttet mir Globulis in den Mund – ich weiss überhaupt nicht, warum sie dass macht, hatten wir doch gar nicht drüber gesprochen
Egal, ich mache den Mund auf.
Ich habe keine Kraft, irgendetwas zu hinterfragen.
Dann verschwand sie wieder
Irgendwann bat ich Deinen Papa um einen Gymnastikball, den ich dort in der Ecke habe liegen sehen.
Ich stelle mir vor, dass das Sitzen vielleicht Erleichterung bringen könnte..
Ich setzte mich darauf- und stand gleich wieder auf.
Die Schmerzen schossen direkt ins Unerträgliche.

Ich will jetzt einen Kaiserschnitt

Die Hebamme kam zwischendurch immer wieder zurück, um das CTG zu kontrollieren.
Sie fragte mich, ob mir der Schmerztropf helfen würde.
Ich weinte und schüttelte dabei den Kopf.
„Ich weiß es nicht…“
Beim genauen drauf achten stellte ich keine wirkliche Besserung fest; lediglich bei 1-2 Wehen hatte ich das Gefühl, dass die winzig kleine Schmerzspitze gekappt wurde.

Sie wies Deinen Papa an, den CTG Kopf zu halten und neu zu justieren, wenn man die Herztöne nicht mehr hört.
Sollen doch alle an mir rumfummeln, mir egal.
Ich stehe eine gefühlte Ewigkeit da und gebe mich dem Schmerz hin.
Ich erinnere mich an nichts anderes außer dem Schmerz.
Auf einmal blitzt ein Gedanke auf.
Kaiserschnitt.
Natürlich, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen!
Ich fühlte mich auf der Stelle unendlich erleichtert.
Das ist doch DIE Lösung.
Schneidet mir das Kind raus.
Sofort!!!!
Leider fiel mir in der selben Sekunde ein, dass ich die Wehen vermutlich mindestens noch eine Stunde hätte, bis ich im OP liegen würde.
Scheisse.
Alle meine Hoffnungen waren dahin.
Ich resignierte.
Es schien einfach keinen Ausweg zu geben.

Es war eine dunkle und laue Sommernacht.
Das Licht im Kreißsaal war gedämpft.
Die Hebamme flüsterte: „Ein Kind der aufgehenden Sonne.“
Vielleicht hat sie es auch geschrien.
Keine Ahnung.
Für mich hörte es sich wie flüstern an.

Schmerzen in der Morgendämmerung

Sie untersucht mich erneut.
Der Druck nach unten wird langsam unerträglich.
Ich versuche, die Wehen zu veratmen, es gelingt mir aber nur ganz selten und unter enormer Anstrengung.
Sie fragt mich, ob ich nochmal auf die Toilette gehen möchte.
Ich verneine weinend.
„Ich schaffe den Weg dahin nicht.“
Sie sagt: „Ist ok.“

Sie kontrollierte das CTG und ging dann wieder raus, um die Nummer der Oberärztin rauszusuchen.
Als sie wiederkommt, fragt sich mich, ob ich mich hinlegen möchte.
In der Hoffnung, dass die Schmerzen in irgendeiner Art und Weise erträglicher werden würden, stimmte ich zu.
Sie wurden es nicht.
Jede weitere Wehe schrie ich zusammen.
Ich schrie wie ein Tier, weil mich der Schmerz überrante, mich mitnahm, mich in seiner vollen Wucht auspeitschte.
Ich konnte nicht mehr ruhig atmen in der Wehe.
Sie nahm mich mit, mit ihrer ganzen Kraft, schüttelte mich durch, drückte mich zu Boden.
Ich hatte das Gefühl, mein Unterleib würde explodieren.
Ich bekam Panik, zitterte am ganzen Körper.
Es drückte ganz furchtbar nach unten.
Ich hoffte, dass die scheiss Fruchtblase endlich platzen und der Druck nach unten aufhören würde.

Es fing langsam an, zu dämmern.
Der kurze Blick nach draussen erfüllte mich – seltsamerweise- mit Frieden.

Ich werde erneut untersucht.
Ich glaube, sie zieht mir auch die Hose aus.
Auf einmal merke ich, wie es etwas nass wird.
Ich frage sie: „War das jetzt die Fruchtblase?“ (Vermutlich der längste Satz, den ich in der ganzen Zeit im Kreißsaal gesrochen habe)
Sie gab mir keine zufriedenstellende Antwort.
„Ja, dass kann sein.“
Ich bin verwirrt.
Ich glaube, es war die Fruchtblase.
Oder habe ich etwa….?
Sie hantiert noch ein wenig rum
„Haben Sie das Gefühl, dass es drückt, als müssten Sie auf’s Klo? Vielen Frauen geht es besser, wenn Sie mitdrücken dürfen. Wenn Sie wollen, dürfen Sie mitdrücken.“
Hä?
Versteh ich nicht.
Soll ich pressen oder nicht?
Was heisst überhaupt wenn ich will?
Ich will, dass es aufhört!!!
Das sage ich ihr auch.

Erste Pressversuche

Ich soll meine Kniekehlen festhalten, mich mit den Füssen an ihr abstützen und drücken.
Ich drücke; habe aber keine Ahnung wohin und was ich hier überhaupt mache.
Und Erleichterung bringt mir das auch nicht.
Sie sagt: „Entweder atmen oder drücken.“– und ich wusste noch weniger, was ich machen sollte.
Sie sagt mir, dass das so nichts wird, weil ich in den Kopf drücke.
Ich habe aber nicht ansatzweise eine Ahnung, wie ich „richtig“ drücken soll.

Die Hebamme geht

Dann ging sie wieder raus.
Sie entschuldigte sich und sagte, sie müsse nach der anderen Geburt nebenan sehen.
Ich fühlte mich verlassen…
Einsam.
Dein Papa versucht mir noch einmal zu erklären, wie ich drücken soll.
Ich weine und sage ihm, dass ich es nicht kann.
„Sie soll zurückkommen!!“ sage ich.
Ich höre die andere Frau neben uns blubbernd schreien – wenn ich nicht selber so kurz vor dem Ableben gestanden hätte, hätte ich wohl mit Deinem Papa angestossen und mich totgelacht.
Nun aber reichte es nicht mal für einen angedeuteten hochgezogenen Mundwinkel.

Dein Papa versucht mich zu motivieren.
Ich versuche, in der Wehe zu drücken.
Nichts passiert.
Ich zitterte vor Schmerzen am ganzen Körper.
Ich schrie und versuchte, meine Beine wieder so zu halten, wie sie es mir gezeigt hat.
Die Hebamme kommt zurück.
„Nananana…. nicht ohne mich pressen!“ sagt sie.
Ja was denn nun?
Ich dachte, ich soll?
Warum sagt mir denn keiner, was ich tun soll?
Ich verkrampfe mich wieder und igele mich ein.
Sie sagt: „Öffnen Sie sich. Machen Sie ihre Beine weit. Machen Sie sich weit!“
Ich wimmere: „Nein, nein, nein. Ich kann dass nicht. Es tut so weh!“ – Und kneife meine Beine zusammen.
Ich wollte einfach in Embryonalhaltung daliegen und sterben.

Motivationsversuche

Sie bat mich, auf die linke Seite zu legen und zu atmen.
Ich versuchte, mich bei jeder Wehe auf meine Atmung zu konzentrieren.
Es gelang mir nur bedingt; immer und immer wieder verlor ich die Kontrolle über mich und konnte nur noch schreien.
Wieder schüttete sie mir Globulis in den offenen Mund.
Im Nachhinein ein sehr lustiges Bild.
Sie versuchte, mich zu motivieren.
„Wir können ja schon fast den Kopf sehen! Ihr Mann hat ihn auch schon gesehen!!“ (Hatte er nicht. KOPFENDE und so…)

Schichtwechsel

Dann kamen nacheinander eine junge Hebamme (Schichtwechsel…!) und die Oberärztin und stellten sich vor.
Ich checkte gar nichts mehr und öffnete nur kurz meine zusammengekniffenen Augen und presste ein „Hallo“ hervor.
Dein Papa erzählte mir hinterher, dass sie zu dem Zeitpunkt die Wärmelampe angeschaltet haben.
Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die die Geburt unmittelbar bevorsteht.
Ich bekam von alledem nichts mit.

Sie liessen mich weitermachen und beobachteten uns.
Ich hörte die Hebamme weit entfernt zu der Ärztin sagen: „… Sie hat auch sehr schnell eröffnet….“
War das jetzt gut?
Die Stimme der Hebamme drang ganz nah bei mir in mein vernebeltes Bewusstsein vor.
„Hören Sie? Wir müssen jetzt sehen, dass wir das hinbekommen. Ihr Baby bekommt ein bisschen Stress. Und dass wollen wir ja nicht.“
Ich bekam Angst.
Wird es jetzt doch ein Kaiserschnitt?
Ich zerbrach, hatte keine Kraft mehr.
Mir war alles egal, mein Körper nur noch meine Hülle.
Ich wollte, dass mir geholfen wird.
Ich nickte weinend: „Ja. Bitte sagen Sie mir, was ich machen muss!“

Die Ärztin übernahm das Kommando.

Die Bettlehne wurde hochgefahren, so dass ich mit dem Oberkörper aufrecht saß.
Ich drückte mit meinen Händen in der Kniekehle meine Beine zurück und stütze mich mit den Füssen an der Hebamme ab.
Sie fragte an die Ärztin gewandt, ob sie einen Wehentropf anhängen soll.
Nur ein Wort geisterte in meinem Kopf: WARUM???
Hatte ich zu wenig Wehen?
Würde ich es nicht schaffen?
Die Ärztin sagte, dass wir es nochmal so probieren.
Sie fackelte auch nicht lange.
„Spüren Sie meinen Finger?“
Den NICHT zu spüren, wäre ein Kunststück gewesen. Es fühlte sich an, als würde sie mich aufreissen wollen.
„HIER hin müssen Sie pressen! Hier hin!“
Sie bewegte ihre Finger nochmal mit Nachdruck. Pfffff.
„Als ob Sie ganz doll aufs Klo müssen!!“

Ich presste.
Anscheinend machte ich es jetzt richtig.
Irgendwann sagte sie: „Wir sehen schon die Haare, nicht mehr lange und Sie haben es geschafft!“
Das war der Punkt, an dem ich wusste, dass ich es bereits geschafft hatte.
Diese Geburt würde nicht in einem Kaiserschnitt enden.

Pressen-atmen-pressen

Ich presste, atmete und hörte auf, zu pressen. Auf Zuruf.
Das war genau dass, was ich brauchte.
Und tatsächlich rückte der Schmerz in den Hintergrund.
Ich konnte aktiv etwas dagegen tun; ich konnte es beenden!
Das ging einige Wehen so.
Dann hörte ich sie -wie auch schon zuvor- rufen:
„Pressen-pressen-pressen-pressen-nicht atmen- pressen-pressen-weiter-weiter… STOP!“
Es brannte wie Hölle.
Ich schrie: „Fuck, das brennt!“
-Stille seitens des Teams.
Ich stellte mir vor, wie Dein Kopf kurz vor dem Durchtritt war und es vor Spannung brannte.
Im Nachhinein war das anscheinend der Moment, an dem der Damm gerissen ist. (Soviel zum Thema „Das merkt man nicht…!“)

Unter einem „weiter-weiter-weiter-weiter-prima-weiter-weiter!“ wurde Dein Köpfchen geboren.
Ich konnte das alles gar nicht realisieren.
Die Hebamme fragte mich: „Wollen Sie das Köpfchen anfassen?“
Ja, natürlich wollte ich.
Ich fühlte Dein nasses, kleines Köpfchen.
Es fühlte sich irgendwie dreieckig an.
Das gab mir nochmal Kraft.

Du bist da <3

Mit einem letzten „Drücken-drücken-drücken-drücken-weiter-weiter-weiter-weiter“ flutscht Du -schmerzfrei- aus mir heraus.
Ich schreie einen Schrei der Erleichterung.
Schlagartig hören alle Schmerzen auf.

Wir hören ein leises, gurgelndes Schreien.
Ich gucke zwischen meine Beine und sehe ein kleines, blaues Baby.
Mein kleines, blaues Baby
Du bist geboren.
Ich bekomme Dich – noch angenabelt – auf den Bauch gelegt.
Du bist so unglaublich warm.
Dein Papa weint.
Ich habe keine Kraft mehr zum weinen.
Ich höre die Hebamme eine Uhrzeit sagen, nehme sie aber überhaupt nicht auf.

Das schönste Gefühl der Welt

Ab da folgen Momentaufnahmen, wie Fotos.
Du schaust mich mit großen Augen an.
Dein Papa schneidet die Nabelschnur durch.
Du riechst ganz wunderbar.
Außerdem hast Du unglaublich viele, schwarze Haare.
In Deinen Haaren hast Du noch ganz viele Blut- und Gewebestückchen.
Du machst mir direkt auf den Bauch.

Geburt der Plazenta

Die Hebamme drückt mir von oben auf den Bauch.
Die Plazenta wird geboren.
Ich werde langsam wieder ich selbst.
Die Ärztin redet.

„Wir haben nicht geschnitten, aber Sie sind gerissen. Wir haben da einen Dammriss 2. Grades, den wir nähen müssen.“
Die junge Hebamme zeigt uns zwischenzeitlich die Plazenta.
Von vorne, von hinten, die Nabelschnur, die Eihaut.
Ich betrachte sie ehrfürchtig.
Du bist ein Wunder.
Du hast mein Wunder versorgt.
Wir werden einen Baum für Dich darauf pflanzen, kleines Babymädchen. <3

Nähen der Geburtsverletzungen & erstes Stillen

Meine Augen fangen wieder an, den Raum als Ganzes wahrzunehmen.
Ich sehe viel Blut auf dem Bettlaken.
Dann macht die Ärztin sich ans Werk.
Ich muss die Beine in die Beinschale legen, was sehr unangenehm ist.
Sie piekst ungefähr 3000 Mal mit der Betäubungsspritze.
Ich rufe „AUAUAUAUAUAUAUA“ und denke dann erst daran, etwas leiser zu sein, weil Du direkt neben mir liegst.
Das Nähen merke ich fast nicht; als sie fertig ist, gratuliert die Ärztin uns und fragt nach Deinem Namen.
Wir werden für einen Moment alleine gelassen.
Du pickst.
Ich überlege, Dich anzulegen und tue es einfach. („Ist ja mein Kind!“)
Du saugst sofort kräftig.
Ich bin glücklich.

Unsere Hebamme kommt noch einmal rein und verabschiedet sich, sie hätte eigentlich seit 06:00 Uhr Feierabend.
Ich bin mittlerweile wieder ganz „Ich selbst“ und bedanke mich bei ihr.
Sie sagt: „Das hätten sie alles schon eine halbe Stunde früher haben können…“
Ich fühle mich, als hätte ich etwas falsch gemacht.
Vielleicht bin ich auch nur etwas over-emotional, aber den Spruch hätte sie sich sparen können.

U1 und Verlegung auf die Wöchnerinnenstation

Dann kommt die junge Hebamme wieder, die zum Ende der Geburt dabei war.
Sie führt die U1 durch; Du wirst gewogen & gemessen und bekommst Deine Namensbändchen und Deine Vitamin-K Tropfen.
Ich bin froh, dass ich Dich zuvor angelegt habe und Deine erste „Mahlzeit“ somit Muttermilch war.
Dein Papa ist die ganze Zeit bei Dir und notiert die Werte.
Von meinem Bett aus kann ich dabei zusehen; ganz anders als beim Kaiserschnitt.
Ich bin so dankbar darüber.

Geburtsbericht Papas Notizen
Papa darf die Hebamme unterstützen und notiert Deine Maße auf der Rückseite der Nabelschnurklemmenverpackung 🙂

Ich bekomme Dich zurück in den Arm.
Wir werden wegen „Überfüllung“ aus dem Kreißsaal entlassen und mit dem Bett auf die Wöchnerinnenstation geschoben.
Wir halten vor Zimmer 410.
Genau vor dem Zimmer, in dem ich vor gerade mal 21 Monaten auch schon mit Tiffy lag.

Die Sonne schien durch das Fenster.
Die Nacht lag hinter uns.
Es war Tag geworden.
Ich habe in dieser Nacht gelernt, loszulassen.
Mein großes Kind, meinen Geist und vor allem meinen Körper.
Ich habe ein Kind geboren.
Mein Körper hat ein Kind geboren.
Ich.
Aus eigener Kraft.
Ich und mein Kind.
Wir zwei beide.
Zusammen.
Dieses Band wird uns für immer vereinen.
Näher kann man sich nicht kommen.
Herzlich Willkommen auf dieser Welt, kleine Kämpferin. <3

 

35 Kommentare

    1. Danke ❤
      Ich hoffe, die Wehen haben nicht allzusehr wehgetan. 😜

      Wir haben ja von Anfang an gesagt, dass wir 3 Kinder möchten.
      Nach der Geburt habe ich dann zu meinem Mann gesagt: „Das wars. Kein 3. Kind. Beide Geburtsvarianten sind scheisse.“ 😂

      Beim Kaiserschnitt hat man halt höllische Schmerzen danach und bei der Spontangeburt währenddessen.
      Der „Vorteil“ der Spontangeburt ist, dass die Schmerzen nur relativ kurz sind im Vergleich zu den Schmerzen nach einem Kaiserschnitt.

      1. Doch sehr! Du hast es so detailliert geschrieben, dass ich mitten drin war statt nur dabei 🙈

        Ach das wollte ich jetzt nicht hören…. ich hatte ja zwei Spontangeburten und kann mir keine dritte vorstellen zumal die Babys im Becken stecken geblieben sind, was ich nach der zweiten nun erst erfahren habe…. und einen Dammriss (lies ab hier lieber nicht – dritten Grades!) überlebe ich auch kein zweites Mal. 6 Wochen liegen – in Worten sechs Wochen es war echt die Hölle. So schlimm kann meiner Meinung nach ein KS niemals sein… 🤷🏻‍♀️

        1. Waaaah… ich hab Dir ja gar nicht mehr geantwortet 🙈 (Geschrieben aus der Ecke, in der ich stehe und mich schäme 😬)

          Das hört sich ja nicht so prall an 😳 Du Arme. 😱
          Wurden sie dann per Zange geholt wenn sie sich im Becken stecken geblieben sind oder ging es dann doch irgendwie so?
          3. Grades????? 😲😳
          Auaauaauaaua.
          Durftest Du nicht Aufstehen oder konntest Du nicht?

          Würdest du Dir dann beim 3. Kind einen geplanten Kaiserschnitt wünschen?

          1. Nein, die jeweiligen Chefärzte haben sie rausgedrückt mit dem Unterarm 🙈 ich durfte nicht. War 5 Tage im KH und die Oberärztin war täglich da. Nein, ich bin kein Privat Patient war da aber das Problemkind. Hinzu kam ja der Harnverhalt und Infekt der Blase….

            Tja, gute Frage…. ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Am liebsten eine normale Geburt und ein Baby unter 3 Kilo aber das wird wohl eher nicht vorkommen 🙈

  1. Wow was für ein Geburtsbericht! Herzergreifend von Anfang bis Ende! Emotional, detailliert, aber dennoch nicht abschreckend. Es ist doch unglaublich, was der weibliche Körper trotz extremster Schmerzen leisten kann, oder. Danke für Deine Momentaufnahmen!! Ich habe ja drei Mal spontan entbunden, hatte aber das Glück, dass es immer relativ schnell ging. Und dennoch hatte ich in manchen Momenten das Gefühl, es nicht durchzustehen. Die Sorge um das Kind, welches nun kein Einzelkind mehr sein wird, hatte ich vor der Geburt unseres Sandwichmädchens auch. Denn natürlich ändert sich mit zwei oder mehr Kindern komplett die Familienkonstellation und man hat zwangsläufig einfach weniger Exklusivzeit mit jedem Kind.
    Viele liebe Grüße! Claudia

    1. Danke Dir! ❤
      Wurde es denn von Geburt zu Geburt leichter oder hattest Du das Gefühl, dass es keinen Unterschied gemacht hat, ob und wie oft Du vorher schon entbunden hast?

      Und wie war es vor der Geburt eures 3. Kindes? Hattest Du da auch Angst, wie sich die Familie nun neu „sortiert“ oder ist man da relaxter?
      Ganz liebe Grüße! 🤗

      1. Ich sag‘s mal so: Es wurde nicht unbedingt leichter, da man ja schon in etwa weiß, was auf Einen zukommen wird. So gesehen hatte ich vor der zweiten und dritten Geburt etwas mehr Bammel als vor der ersten.
        Dennoch hat sich wohl meine Rangehensweise etwas verändert, d.h. gerade jetzt bei der dritten Geburt habe ich versucht, so gelassen wie möglich an alles ranzugehen und mich vor allem nicht von den äußeren Umständen im KH beeinflussen zu lassen. Die zweite Geburt habe ich als etwas weniger positiv in Erinnerung, da mein Mann wieder nach Hause geschickt wurde und ich die ganze Zeit alleine in den Wehen lag und er es gerade noch rechtzeitig zur Geburt geschafft hat. Diesmal war es anders: Nur ich, mein Mann, die Wehen, die Hebamme. Klar war ich nicht gänzlich unbeeindruckt, als die gebärende Mama im Kreißsaal neben mir geschrien hat wie am Spieß…aber man weiß ja (oder hofft es!), dass man das schafft. Dass unser Körper dazu gemacht ist um das durchzustehen.
        Die veränderte Familienkonstellation hat mich natürlich schon beschäftigt, jedoch hat man ja auch da die Gewissheit, dass sich alles wieder eingliedert mit der Zeit. Ist zwar gerade jetzt mit drei Kids nicht einfach, weil man es einfach physisch nicht schafft, immer allen gerecht zu werden (ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben), aber ich hoffe immer, dass die Kids das verstehen…
        Viele liebe Grüße!
        Claudia

        1. Lag ich neben Dir bei der Geburt? 🤔😂😂

          Ich muss gestehen, dass ich mit dem Wissen, wie so eine Geburt ist, nun auch etwas „verhaltener“ in die nächste gehen würde. 😉
          Aber vielleicht hilft einem ja auch genau dieses Wissen, dass man gestärkt da reingeht und weiss: Ich hab es einmal geschafft, ich werde es wieder schaffen 💪

          Schaffst Du es denn, zwischendurch auch Zeit für Dich zu haben mit den 3 Mäusen?
          Liebe Grüße 🤗

  2. Vielen Dank für diesen Bericht.
    Erst wollte ich was sarkastisches schreiben, weil du soooo lange gebraucht hast, uns an deinem Erlebnis teilhaben zu lassen 😉
    dann habe ich gelesen und gelesen und habe mitgebfiebert und anschließend geheult wie ein kleines Kind und war total ergriffen 😌😍😢
    Und ich kannte das Ende ja eigentlich schon. Wirklich toll. Vielen Dank 😊
    Ich habe mich zurück versetzt gefühlt zum Tag der Geburt meiner Tochter. Es gibt viele parallelen bis zu den lang ersehnten 10 cm… allerdings gab es bei uns dann die Wende, Sternkucker, miserable Herztöne und dann doch noch Kaiserschnitt. Die ganze Schinderei umsonst quasi …
    Aber im Nachhinein zählt das ja alles nicht, sondern das gesunde Kind 😊
    Viele liebe Grüße und alles Gute weiterhin

    1. Ach Du Liebe… ❤ Ich habe gerade gesehen, dass ich Dir hier ja noch gar nicht geantwortet habe 🙈
      Danke für Deinen lieben und ausführlichen Kommentar ❤

      Ich lese selber immer so gerne Geburtsberichte und sitze schlussendlich auch immer heulend vor dem Bildschirm 🙈

      Oh weh… da hast Du dann ja auch eine ganz schöne Reise mitgemacht bis Du endlich am Ziel warst. 😔
      Ich stelle es mir schon sehr hart vor, quasi die doppelte „Dröhnung“ abzubekommen: Die Schmerzen davor UND danach! Meinen allerhöchsten Respekt! ❤
      Hattest Du denn dann eine Vollnakose oder blieb noch Zeit für die Spinale?

      Liebe Grüße ❤

      1. Es wäre auch ok gewesen, wenn du nicht geantwortet hättest 😉
        Ja, ich hatte ja eh schon die pda und das haben die dann quasi erweitert. Von daher war es super. Auch das Team und alles. Es war kein traumatisches Erlebnis oder so.Die haben das gut gemacht. Und ich war dann auch recht flott bei meinem Kind und konnte anlegen. Die Hebamme war auch immer an meiner Seite und hat mir Mut gemacht oder mich beruhigt. Aber wie du schon sagst, doppelte Schinderei halt. Aber mit knapp 2 1/2 Jahren Abstand kommt es mir gar nicht mehr so schlimm vor… Man verdrängt das gut. Allerdings mache ich mir, noch nicht mal schwanger, schon Gedanken darüber, wie es beim nächsten mal ablaufen sollte/könnte. Deine Geschichte macht auf jeden Fall Mut für eine spontane Entbindung nach Kaiserschnitt 😘

        Ich war vor der Schwangerschaft schon süchtig nach Geburtsberichten und das ist jetzt, nachdem ich es selbst erlebt habe, noch schlimmer geworden 🙈😂

        Liebe Grüße 😊

    1. Danke ❤
      Ich kann das Buch „Meine Wunschgeburt“ dazu sehr empfehlen.
      Eine Garantie, dass es klappt, gibt es ja leider nie… 😕 aber ich habe mir dass nach meiner ersten Geburt auch so sehr gewünscht. Glücklicherweise sind die Kliniken da heute ja sehr aufgeschlossen.

  3. Hi, sehr schöner detaillierter Bericht ♡

    So detailliert weiß ich das bei meinen garnicht mehr. Aber meine Wehenzeit war auch ziemlich kurz. Bei meinem Sohn mit Wehencocktail 6 Stunden, davon aber nur die letzten drei echt heftig. Bei meiner Tochter waren es vom ersten piecksen bis zur Geburt vier Stunden und die letzten knapp 1.5 Stunden halt sehr schmerzhaft.

    Meine Mama hatte gesagt das mein Bruder und ich so „rausgeflutscht“ sind, klar tut es weh, aber das gehört dazu. Ich dachte mir ich verkrampfe nur wenn ich mir zu viele Gedanken mache und hab versucht alles so locker wie möglich zu sehen, ich denke damit bin ich gut gefahren.

    Kinder gebären ist ein echter Kraftakt und ich finde schon irre was unser Körper da leisten kann!

    Wir sind schon echt klasse,wir Weibers 😉😊

    1. Danke für Deinen lieben und ausführlichen Kommentar ❤

      Wow, da hast Du ja sehr schnelle Geburten hingelegt. 👍
      Warst du denn dann bei deiner Tochtee rechtzeitig im Krankenhaus? Dass es so schnell geht, hättest Du bestimmt nicht gedacht, oder?

      Das stimmt.. wenn man es locker „annimmt“, dann entspannt sich der Körper bestimmt auch.
      Sollten wir nochmal Nachwuchs bekommen, werde ich im Vorfeld auch lockerer da rangehen bzw. genau das mit der Hebamme besprechen, die können ja mit Sicherheit noch gezieltere Tipps geben.
      Ich hoffe ja, dass bis dahin noch nicht alle Beleghebammen „ausgestorben“ sind.

      Ohjaaaa… wie war dass doch gleich? Der Geburtsschmerz ist vergleichbar damit, wenn einem 20 Knochen gleichzeitig brechen? 🙈

      Aber Hallo… Wir güüüüüüooorls 😉 🙆‍♀️🙅‍♀️💪

      1. Abend. Ja wir waren kurz vor 5 Uhr im Krankenhaus und um 6:31 Uhr war die kleine Fee da! Und ein Drittes wollen wir nicht, außer der liebe Gott ist da anderer Meinung, dann ist es halt so 😊 Wollt ihr noch ein drittes?

        Und Beleghebamme war mir auch nicht so wichtig. Beim Vorgespräch hab ich gesagt das ich klare Ansagen haben möchte 😁🤣 da ich bei meinem Sohn so ausser Puste kam und mir genau das fehlte. Ansonsten waren beide Hebammen super.

        1. Huch, hier hab ich Dir doch glatt vergessen zu antworten 🙈 Sorry.
          Wow, dass war dann ja ein super kurzer Aufenthalt im Krankenhaus. Da war ich mit meinen 4 Stunden ja schon fast lange da 😉
          Wir wollen noch ein drittes, ja. 😊
          Mal gucken wie es dann wird. Dann wäre es ja mein „zweites“ auf spontanem Weg… mal sehen ob es dann schneller geht? 😊🤔

          Ich wüsste jetzt auch, was ich mir von meiner Hebamme wünschen würde, nachdem mir dass unter der letzten Geburt so gefehlt hat.
          Und ich würde auf jeden Fall nochmal einen Vorbereitungskurs machen. 😊

  4. Was für ein toller Bericht und kein Wunder, dass es so lange gedauert hat, ihn zu schreiben, denn das waren ja schon heftige Emotionen. So hab ich mich bei beiden Geburten nicht gefühlt. Aber weißt du was, ich glaube, ich verblogge noch den Geburtsbericht der Großen…. 5 Jahre später 🙂

    1. Danke ❤
      Ja… irgendwie schon.
      Geschrieben hatte ich ihn schon kurz nach der Geburt um auch ja nichts zu vergessen, aber irgendwie hat es sich bis dato nicht richtig angefühlt, ihn zu veröffentlichen.
      War es denn von der Schmerzen bei Dir erträglicher?
      Huii… da werd ich gleich mal lesen 😊❤

  5. Vielen Dank für deinen so detaillierten Bericht. Gerade am Anfang habe ich mich selbst erkannt. Mir ging es genau so.
    Ich habe erst einmal weinen müssen. Die Geburt meiner Tochter ist fast 7 Monate her und ich glaube, sie und ich haben noch nicht alles davon verarbeitet. Sie war ein Frühchen, die Geburt an sich nicht sehr schwer. War ja ein kleines Baby… Aber, dass ich sie nur kurz bei mir hatte und sie dann mit fremden Menschen mit musste, im Inkubator auf einer anderen Station lag, werde ich noch lange verarbeiten müssen. Und ich weiß, dass sie auch Angst hatte so allein bei den fremden Menschen zu sein… Was mir noch mehr Kummer bereitet, denn ich habe es ja in dem Sinne zugelassen. Es wird noch etwas Zeit brauchen, bis wir alles verarbeiten konnten. Aber wir schaffen das. Wir zwei sind Kämpfer (und der Papa natürlich auch 😉). Haben vor der Geburt schon 5 Wochen zusammen mit Bettruhe und Wehenhemmertropf im Krankenhaus verbracht und die Zeit auch überstanden. Meine Maus und ich. Das schweißt zusammen ☺️❤️👨‍👩‍👧.

    Sei lieb gegrüßt
    Claudi mit Ella und Papa 😉

    1. Hallo liebe Claudi!
      Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar ❤
      So eine Geburt macht schon was aus und mit einem.

      Ich habe auch bei beiden Geburten sehr lange gebraucht, um sie zu verarbeiten.
      Immer und immer wieder habe ich an dem Wochentag der jeweiligen Geburt alles wieder „durchlebt“ und habe viel geweint, mich erinnert und viel darüber gesprochen.
      Gott sei Dank hat sich mein Mann alles immer und immer wieder geduldig angehört und mir die Geburt aus seiner Sicht erzählt.
      Ich fand es schlimm, wenn man drüber reden wollte und dann mit einem „aber nun sei doch froh, Dein Kind ist gesund“ abgeschmettert wurde. Das tut zusätzlich weh.

      Hast Du Dir einmal den Geburtsverlaufsbericht aus deiner Klinik angefordert?
      Dort steht alles minutiös drin… mir hat das unheimlich geholfen zu verstehen.

      Ich kann Deine Gedanken und Gefühle in Bezug auf die Trennung nach der Geburt sehr gut verstehen, so wäre es mir wohl auch gegangen.
      Eigentlich weiss man ja, dass es nunmal nicht anders ging, aber man gibt sich trotzdem schon selber die „Schuld“.
      Du bist nicht Schuld ❤
      Du musstest es ja „zulassen“.
      Und all dass, was ihr in den ersten Stunden/Tagen „versäumt“ habt, konntet und könnt ihr jeden Tag, jede Minute nachholen.

      War sie denn viel zu früh?
      Wie lange musste sie denn auf die Frühchenstation?

      Viele liebe Grüße… und kuschel Deine Maus ganz fest ❤

Ich freue mich über eure Kommentare ❤