18 + 4 ODER: Happy Heparin

18 + 4 ODER: Happy Heparin

 

Fragmin P-Forte.

Ein Drama in 4 Akten:

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Heute widme ich einen ganzen Post meiner pieksigen Hass-Liebe: Den Heparin-Spritzen.

In der letzten Schwangerschaft haben sie mich ab dem TF bis kurz vor den Kreißsaal begleitet… Ich habe mir also knapp 300x unter Fluchen und Heulen zähnezusammenbeissenderweise dieses Teufelszeug (in Form einer Fertigspritze) wahlweise in Bauch oder Oberschenkel gerammt.

Als ich mich damals vorab zum Arztgespräch in meiner Entbindungsklinik vorgestellt habe, wurde auch ein Auge auf die Befunde der Gerinnungsambulanz geworfen.
Auf die Frage: “Warum spritzen Sie eigentlich Heparin?” konnte ich ausser “Weil der Doktor es mir sagt..?” nur Vermutungen anstellen.
Der Gerinnungsarzt ist nämlich nicht so der patientenorientierte Typ und als ich die ersten 3 Male dumme Antworten auf meine gestellten Fragen bekommen habe, habe ich resigniert und fortan jegliche Kommunikation auf “Hallo” und “Tschüß” beschränkt.
Ich hatte keine Kraft dazu, mich mit ihm auseinanderzusetzen.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Meine Entbindungsklinik war fest davon überzeugt, dass eine Heparingabe bei mir völlig überflüssig wäre und es keinerlei Indikation für eine Aufrechterhaltung ebendieser gebe.
Ich solle mich doch gerne in der hiesigen Uniklinik vorstellen und mir eine 2. Meinung einholen.
Das war etwa 3-4 Wochen vor Tiffys Geburt.
Durch die ganze Aufregung mit der Plazentaschwäche, ihrer Unterversorgung und meines eh schon bis aufs letzte strapazierte Nervenkostüms wollte ich dann alles, ausser eine 3.,4.,5. Arztmeinung hören und mich vollends bekloppt machen zu lassen.
Ich durfte -nach Rücksprache mit meinem Gerinnungsarzt- die Heparinspritzen ca. 1 Woche vor dem geplanten Kaiserschnitt absetzen und wurde mit den Worten:
“Wir sehen uns zur nächsten Schwangerschaft wieder. Sie haben ja eigentlich nichts!”
entlassen.

Ich hatte damals wirklich keine Kraft, mich über irgendwas aufzuregen.

Diese Schwangerschaft begann ja auf wundersame Weise “ohne alles”. – also auch ohne Heparin.
Mein Gyn schickte mich aber doch mal bei meinem Gerinnungsarzt vorbei, um mich “nochmal vorzustellen”.

Da schwante mir schon böses.

Das Vorstellen ging damit los, dass er mir ans Bein pinkelte, warum ich nicht “unschwanger” gekommen bin.
Noch voller Elan und mit all meinem gebündelten Hass auf jede einzelne der stumpfen Nadeln habe ich ihn dann (mit der Kraft von 1000 Sonnen) zurückbepinkelt.
Wenn man mit mir nämlich redet, mache ich auch brav alles mit.
Jeden Scheiss.
Wirklich wahr.
Aber wenn man seine Patienten mit der Überheblichkeit eines Schwerlastkrans als unfähige, unmündige, unwissende Lemminge behandelt indem man einfach GAR NICHT kommuniziert (warum auch… Diese dummen, einfältigen Dinger verstehen doch eh nichts…) dann dürfen einem selber natürlich keine Fehler passieren.
Zum Beispiel vergessen zu sagen, dass ich nach der Entbindung nochmal kommen soll.
(Um bei der Wahrheit zu bleiben waren seine Worte beim Abschied sogar: “Sie brauchen nach der Entbindung nicht nochmal wiederkommen. Sie haben ja nichts!” – Seine Helferinnen waren selbst erstaunt und haben sich noch 3x rückversichert)
Tja, hat die dumme Patientin leider aufgepasst.
Dü-düm.

Als mich die freudige Nachricht ereilte, dass ich wieder im Club der spritzenden Heparinopfer aufgenommen wurde und mir die erste Spritze kreischenderweise in den Oberschenkel gerammt habe, kamen mir die Worte aus meiner Entbindungsklinik wieder in den Sinn.
“Uniklinik… Gerinnungsambulanz… Zweitmeinung…”
*Zack* zum Hörer gegriffen und kaum sind 9 Wochen vergangen, hatte ich heute schon meinen Termin. ?

Nachdem ich den Weg in die Untiefen dieses monströsen Labyrinths letzte Woche schonmal “trocken” geübt habe, hat heute alles tiptop geklappt.
Und kaum hatte ich das richtige Parkdeck am richtigen Turm in der richtigen Ebene, kam ich dann auch zu der Tür zu den Aufzügen, die mich in den richtigen Flügel, zur richtigen Ebene, an die richtige Leitstelle (!!!!!) führten.
Dort schnell ein Nümmerchen gezogen und brav gewartet, bis ich dran war, um meine Versichertenkarte abzugeben und mich “anzumelden”.
Um es mal einfach zu sagen:
Alter nee, solche riesen Krankenhäuser sind nichts für mich.

Nachdem ich meinen Patientenbogen dann brav in Gang 37 hinter der Glastür 3x rechts und einmal scharf links abgegeben habe, durfte ich weiter vorrücken…
Der nächste Wartebereich war “den Weg wieder zurück aber dieses Mal bitte an der Fensterfront platznehmen, Sie werden dann aufgerufen!”
Glücklicherweise fand der Aufruf (Übrigens ohne jegliche Nummernzieherei… Tststs… Unorganisierter Schlamper-Laden! ?) ziemlich zügig statt und noch bevor Tiffy sämtliche Ausleg-Exemplare vom “Uniklinik-Magazin” in mikroskopisch kleine Teile zerlegt hatte.

Ich plauderte kurz mit der Ärztin, legte ihr meine Befunde vor und erzählte meine “Geschichte”.
Sie notierte fleissig und sagte dann gleich:
“Also wir sehen das hier etwas anders als Doktor xyz und geben in diesen Fällen kein Heparin. Sie haben ja nichts. (Ach…. ECHT?!!! So oft wie im Zusammenhang mit meiner Blutgerinnung habe ich das noch nie gehört. Noch nie. Warum, zum Teufel MUSS ICH DANN SPRITZEN????). Ich nehme Ihnen jetzt Blut ab, wir untersuchen das “auf alles” ganz ausführlich und dann bekommen Sie in 2-3 Wochen einen Brief, in dem zu 99,9% steht, dass Sie das Heparin absetzen können.”

Aha.
Echt jetzt?
So einfach?!

12 Kanülen Blut später stand ich dann wieder hinter der Glastür 3x links.
Ein bisschen verwirrt, ein bisschen sauer, ein bisschen erleichtert – mit dem Plan in der Tasche, den Brief mal abzuwarten und dann mit meinem Gyn besprechen, was ich weiter mache.

Ausflippen kann ich dann ja immer noch.

Ist ja noch massig Zeit.

3 Kommentare

  1. Ich drücke dir fest die Daumen, dass das Spritzen bald ein Ende hat.? Meins wäre es nicht… Ich habe ASS 100 genommen, auch ohne Indikation. Aber irgendwie gab es mir ein bisschen Sicherheit…

    1. Ja, ASS habe ich in meiner letzten Schwangerschaft auch genommen und habe es dann irgendwann (ich weiß gar nicht mehr wann…) absetzen dürfen. Aber da hast Du ja “Glück” gehabt; das ist ja noch das “kleinere” Übel. ?
      Wie lange hast Du es genommen?

      Ich bin jetzt auch total verunsichert… Auf der einen Seite nehme ich sonst gar nichts an Medikamenten, nicht mal ne Kopfschmerztablette, um mein Baby nicht unnötig zu belasten, auf der anderen Seite haue ich mir dann täglich “solche Klopper” rein.
      Aber andererseits… Was ist, wenn doch was passiert…? Bin hin- und hergerissen.
      Vielleicht brauche ich noch eine 3. Arztmeinung. ??

      1. Ich habe ASS bis zur 34. Woche genommen, es wirkt dann noch 7 Tage weiter. Unter ASS ist keine PDA möglich, sondern nur eine Vollnarkose und es führt wohl auch dazu, dass sich beim Kind der Ductus Botalli zu früh verschließt – was wohl nicht gut ist, sagt mein Mann.? Ich hatte aber echt Muffensausen, dass ohne ASS irgendwas passieren würde…

        Das Problem ist halt leider, dass du, wenn du drei Ärzte fragst, wahrscheinlich auch drei Meinungen hören wirst. Und was macht man dann? Heparin ist aber auch nicht so ohne… Schwere Entscheidung…

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