32 + 2 ODER: Alles nur geträumt…

32 + 2 ODER: Alles nur geträumt…

Heute morgen bin ich heulend und schweissgebadet wachgeworden.
Jetzt geht’s anscheinend los mit der wilden Träumerei, mit den Ängsten, mit dem fiesen Unterbewusstsein.

Gestern Abend lag ich noch eine Zeit lang im Bett, habe meinen Bauch gestreichelt und mir dabei vor Augen gehalten, dass ich diesen kleinen Menschen in mir drin bald genauso lieben werde wie Tiffy und dass ich mir das jetzt noch gar nicht vorstellen kann.
Natürlich, ich liebe diesen kleinen Wirbelwind in mir drin, die mich tritt, die sich so wunderschön und friedlich im Ultraschall zeigt und deren Herz ich mit Tränen in den Augen klopfen höre.
Aber trotz der Tatsache, dass ich das alles schon mal erlebt habe und ich weiß, dass da in mir drin ein fertiges kleines Menschenkind ist, ist das alles irgendwie noch sehr abstrakt.
Das fand ich irgendwie komisch und befremdlich bis ich zu der Erkenntnis kam, dass bei Tiffy diese tiefen “Ich-sterbe-für-Dich”-Gefühle auch erst im Augenblick ihrer Geburt kamen.

Ich träumte heute Nacht wild und durcheinander.
Auf einmal war ich im Krankenhaus, alleine mit 2 Ärzten im OP, unser Babymädchen sollte “Hoppladihopp” geholt werden – per Kaiserschnitt.
Wie und warum ich da hingekommen bin – keine Ahnung.
Herr Düse war nicht bei mir; ich lag mutterseelenallein in einem OP, der mich stark an den Keller im Haus meiner Eltern erinnerte.
Ich sah irgendwie “von oben” wie sie meine alte Narbe aufschnitten und nervös wurden.
Dann erweiterten sie den Schnitt bis sie mich schlussendlich auch noch längs aufschnitten.
Dann kam einer der Ärzte zu mir und sagte: “Wir kriegen das Baby nicht raus! Wir nähen Sie jetzt wieder zu und können ansonsten nichts mehr für Sie tun!”
Ab diesem Zeitpunkt war ich alleine.

Ich kniete in einem Zimmer und gebar unser Babymädchen.
Alleine.
Sie war tot.
Ich war beinahe ohnmächtig vor (seelischem) Schmerz und konnte nicht aufhören zu weinen.
Irgendwann kam Herr Düse und weinte mit mir.
Wir saßen vor unserer toten Tochter und konnten nichts mehr fassen.
Ich habe immer wieder gesagt: “Das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr! Das ist alles nur ein Traum!” – um dann ominöserweise festzustellen, dass es kein Traum war.
Ich lag Herrn Düse weinend im Arm und sagte: “Jetzt müssen wir statt einer Wiege einen Sarg bestellen für unsere kleine Maus!”

– Ich schwöre bei Gott, ich habe schon viel Scheisse in meinem
Leben geträumt, aber solche REELLEN seelischen Schmerzen habe ich noch nie erlebt.
Mir hat es im Traum das Herz zerissen.
Und es war wirklich sowas von real.
Ich bin sogar zwischendurch aufgewacht, wieder eingeschlafen und habe diesen Traum weitergeträumt.

Als ich schlussendlich endlich aufwachen “durfte” und diesem Gedanken-Gefängnis entfliehen konnte, lag ich im Bett und war unbeschreiblich erleichtert, als ich meinen Bauch fühlte und mein Babymädchen mir prompt mit einem beherzten Tritt antwortete.
Ich habe geweint, habe Tiffy fest in den Arm genommen und musste das erstmal verdauen.

Und nach diesem Traum wusste ich es zu 100000000000000%:

Ich werde Dich genau so lieben wie ich Tiffy liebe, mein Babymädchen.
Du wirst mein Herz genauso im Sturm erobern und ich werde ebenfalls ohne mit der Wimper zu zucken für Dich durchs Feuer gehen.
Liebes Babymädchen, ich liebe Dich!

… Und lieber Herr Traum-Bestellungs-Mann:
Hör auf mit so einem Scheiss, ja?
Sowas verkrafte ich ganz und gar nicht.
Schick mir lieber was von rosigen, gesunden Babymädchen.
Wenn es sein muss auch von Tierbabys oder Gummibärchen.
Aber sowas will ich nie wieder “durchmachen”.
Nie-nie wieder.

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Bild: Pixabay.com

  1. Aaarghs, wie fies ist das denn bitte?
    Ich habe auch schon davon geträumt, dass unsere Tochter gestorben ist. Unfassbar grausam, ich bin weinend und schreiend aufgewacht. Im ersten Moment dachte ich auch wach noch, dass es wahr ist. Das ist wirklich wirklich schrecklich!
    Zu deiner Sorge bzgl. des zweiten Kindes: Die hab ich auch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich ein weiteres Kind so lieben kann wie unsere Große. In sofern hat dein Traum (so fies und unnötig wie er war) doch tatsächlich auch was Gutes.

    1. Noch ein Traumopfer hier. 😉
      Das war wirklich eine Erfahrung, die ich jetzt so nicht gebraucht hätte… 😩
      Als ob man sich im wachen Zustand nicht schon genug Sorgen machen würde…

      Ich bin wirklich gespannt auf den Moment, indem wir unser Babymädchen zum ersten Mal sehen.
      Wird das genauso ein magischer Moment wie beim ersten Mal?
      Ich wünsche es mir so sehr! ✊

      1. Berichte bitte, denn ich bin auch schon sehr auf diesen Moment gespannt. Meine Mutter sagt: meinen kleinen Brider hat sie sofort geliebt, obwohl er schleimig, verknautscht, rothaarig und blau war. Bei mir (obwohl deutlich süßer) hat sie anfnags noch gefremdelt. In sofern wird es wohl tatsächlich passen. ABER ICH KANN ES MIR NICHT VORSTELLEN!

      2. Ich werde auf jeden Fall berichten!
        Das beruhigt mich aber schonmal im
        Vorfeld zu hören. 😉

        Ich war bei meiner Großen irgendwie gar nicht darauf vorbereitet, dass dieser Moment das allerschönste ist, was mir im Leben passiert ist, so dass es mich mit voller Wucht erwischt hat. 🙂 <3
        Ich hoffe einfach mal, dass dem Wunder auch beim 2. Mal nichts verloren geht. 😊

  2. Liebe Frau Düse,
    ab jetzt musst du jeden Abend das Traumfresserchen aufsagen! Mache ich auch und es hilft!😊
    Falls du nicht mehr so textsicher sein solltest, bitte sehr:
    Traumfresserchen, Traumfresserchen,
    komm mit dem Hornmesserchen, komm mit dem Glasgäbelchen,
    Sperr auf dein Schnappschäbelchen,
    Träume, die Schrecken das Kind, die lass dir schmecken geschwind,
    Aber die schönen, die guten sind mein, drum lass sie sein,
    Traumfresserchen, Traumfresserchen, dich lad’ ich ein!

    Liebe Grüße

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